Dienstag, 01.09.2009

Das Berliner Minigebirge

Vor 150 Jahren verbrachten wohlhabende Berliner ihre Ferien gern im Riesengebirge. Diese Gebirgslandschaft erstreckt sich über weite Teile des heutigen Polen und Tschechien. Typisch für das bis zu 1.600 Meter hohe Riesengebirge sind die steilen Felsflanken und unendlich vielen Bergseen, Flüsse und Bäche. Oft stürzen die Flüsse über steile Kanten. Wasserfälle mit Höhen bis zu 140 Meter findet man vorwiegend auf der tschechischen Seite. Im polnischen Teil verlaufen die Bäche und Flüsse häufig in engen Felsschluchten mit starkem Gefälle.

Der damalige Berliner Stadtgartendirektor Hermann Mächtig ließ sich von dieser imposanten Natur um 1880 inspirieren und gab wenige Jahre später die Umgestaltung des bis dahin einfach angelegten Parks an den Hängen des Kreuzbergs zu einer Parkanlage mit gebirgsähnlichem Charakter in Auftrag. Der Wasserfall im Viktoriapark mit der felsigen Wolfsschlucht ist eine Nachbildung des Hainfalls im Riesengebirge und erinnerte nach Fertigstellung des Parks viele Berliner an ihren letzten Urlaub. Die Felsformation wurde äußerst naturalistisch gestaltet und wirkt überhaupt nicht wie künstlich angelegt. Auch das Wasser fließt nicht aus einer natürlichen Quelle, es wird auf den Berg gepumpt. Der Wasserumlauf beträgt heute etwa 13.000 Liter pro Minute.

Neben dem Wasserfall bietet der Viktoriapark noch weitere gebirgsähnliche Strukturen. Das liegt unter anderem an dem natürlichen steilen Gelände des 66 Meter hohen Kreuzbergs. Das Wegenetz ist engmaschig und an manchen Stellen kommt man sogar etwas aus der Puste.

Ergänzend zu den steilen Passagen gibt es im Park auch große Wiesenflächen und breite Spazierwege, ruhige Plätze und schattige Winkel zum Abschalten und Träumen. Sie befinden sich überwiegend im dem zwischen 1913 und 1916 angelegten leicht hügeligen Teil des Viktoriaparks.

Der Viktoriapark wird offiziell als Denkmal geführt. Die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung vergab für das Gartendenkmal die Nummer 09046157,T,001.