Freitag, 09.07.2010

Der rote Koloss

Mitten im Kreuzberger Chamissokiez ist noch heute der prächtige "Wasserturm Tempelhofer Berg" zu bewundern. Er wurde 1887 bis 1888 erbaut, besitzt ein Reservoirvolumen von über 400 Kubikmetern und ragt 44 Meter in die Höhe. Nach seiner Fertigstellung versorgte der Wasserturm vor allen Dingen die Miethäuser seiner Umgebung zentral mit Trinkwasser. Vorher war die Trinkwasserversorgung nur über Hof- und Straßenpumpen möglich.

Mit Hilfe der Hochbehälter wurde seit Mitte des 19. Jahrhunderts das Wasser in Berliner Wohnungen befördert. Damit der Wasserdruck auch in den obersten Wohnungen noch ausreichend war, musste das Wasser noch höher als die obersten Wohnungen gespeichert werden. Aus diesem Grund wurden die Türme bevorzugt auf Erhebungen wie dem Tempelhofer Berg gebaut.

Die Speicherung großer Wassermengen in einem Gebäude war eine Meisterleistung der damaligen Ingenieurskunst und wurde im Laufe der Jahrzehnte immer weiter verfeinert. Anfangs konnten nur Türme mit kleinem Fassungsvermögen realisiert werden. Ihre raffinierte Konstruktion bestand zunächst aus Gusseisen und Stahl, später auch aus Beton.

121 Wassertürme gab es einmal in Berlin. 61 der eindrucksvollen Bauwerke stehen noch heute und prägen die Silhouette der Stadt. Neben der Wasserlieferung an die Bevölkerung waren auch andere Funktionen nötig. Wassertürme versorgten Gaswerke, Abwasserpumpwerke, Krankenhäuser,

Gefängnisse, Parks, Industrie, Eisenbahn, Badeanstalten sowie Vieh- und Schlachthöfe.

Der 1950 stillgelegte Turm dient heute als Kinder- und Jugend-Freizeitzentrum. Im Hof gibt es ein gemütliches Café, innen eine Siebdruckwerkstatt, ein Tonstudio und regelmäßig Veranstaltungen.

DTK-Wasserturm
Kopischstraße 7
10965 Berlin
Telefon (030) 53 65 76 - 41