Mittwoch, 19.11.2014

Kreuzberger Hinterhöfe sind eine Welt für sich

Entstanden sind sie meist nach 1858, als die Bauordnung in Berlin geändert wurde. Hinterhöfe wurden möglich, weil Tiefgrundstücke hinter den Vorderhäusern wegen des enormen Bevölkerungswachstums bebaut werden durften. Viele Häuserblocks der Gründerzeit bestanden aus Vorderhaus, Seitenflügel und Hinterhaus.

Die Mindestgröße der Hinterhöfe war festgelegt. Der Hof musste nach Polizeivorschrift so groß sein, dass eine von Pferden gezogene Feuerwehrspritze darin wenden konnte. Das waren laut Polizeiverordnung genau 5,34 mal 5,34 Meter. Drei oder vier hinter einander liegende Höfe waren bei den Bauvorhaben des 19. Jahrhunderts keine Seltenheit. Von der Straße aus waren die Höfe meist über Durchfahrten erreichbar. Mehrere Gebäudeteile bildeten einen Baublock.

Viele Hinterhäuser Berlins wurden von Anfang an als gewerblich genutzte Gebäude geplant. Es siedelten sich häufig kleine Gewerbebetriebe an, darunter auch Filmtheater oder Gaststätten. In manchen Hinterhofgebäuden gab es Produktionsstätten unterschiedlichster Branchen, beispielsweise Büromaschinen- und Maschinenbau, Metallbau oder Konfektion.

Zahlreiche Hinterhöfe in Kreuzberg erzählen noch heute die Geschichten der damaligen Zeit. Die gewerbliche Nutzung wurde allerdings im Lauf der Jahrzehnte verändert, es ist nicht mehr so laut in den Höfen und produzierendes Gewerbe gibt es nur noch selten. Eine große Zahl der Höfe ist saniert und die Flächen wurden an Kultureinrichtungen, Agenturen, Werkstätten, Ateliers, Gastronomiebetriebe und andere vermietet. Erkunden kann man etliche Hinterhöfe auch in Kreuzberg, wie zum Beispiel den Hinterhof der neuen Gesellschaft für bildende Kunst in der Oranienstraße 25.