Montag, 15.02.2010

Pumpwerk als Meilenstein der Kanalisation

Ein für die Entwicklung Berlins sehr entscheidender Tag war der 1. Januar 1878. Das Datum gilt als offizieller Beginn der Inbetriebnahme der Berliner Kanalisation. Das so genannte Radialsystem III in der Schöneberger Straße 21 wird heute als Denkmal geführt, es umfasst die Gesamtanlage mit Pumpwerk, Einfriedung und Schornstein. Das Radialsystem III wurde von 1873 bis 1876 erbaut.

Den Auftrag zur Konzeption eines Abwasserentsorgungssystems erhielt der Berliner Baurat Hobrecht im Jahr 1869. Eine neue Form der Stadtentwässerung wurde durch den enormen Bevölkerungszustrom, Choleraepidemien und die ungelösten hygienischen Probleme immer wichtiger. Hobrecht teilte Berlin in zwölf Areale (Radialsysteme) ein, die wie riesige Trichter funktionierten. Die Abwasser liefen unterirdisch in leichtem Gefälle zusammen und wurden an der jeweils tiefsten Stelle vom Pumpwerk an den Stadtrand auf die Rieselfelder gepumpt. So wurde Abwasser biologisch gereinigt und diente dadurch zur Düngung der Felder.

Das Radialsystem III umfasste die Friedrichstadt, die Dorotheenstadt, Alt-Cölln und das Tiergartenviertel. 1875 lebten in diesem Gebiet über 100.000 Menschen auf einer Fläche von 390 Hektar. Dies war das am dichtesten besiedelte Gebiet Berlins. Am Tag der Eröffnung verfügte das Radialsystem über eine Kanallänge von 80 Kilometern. Über 2.400 Grundstücke waren angeschlossen.

132 Jahre nach Hobrechts Entwurf funktionieren die Systeme noch immer einwandfrei. Alle Erweiterungen des Berliner Abwasserentsorgungssystems nutzen bis heute seine Grundzüge oder bauen auf diesem Schema auf.