Donnerstag, 09.04.2009

Kinder, wie die Zeit vergeht...

... das zeigt die Berlinische Galerie bis zum 31. August 2009 in ihrer Ausstellung „As Time Goes By – Kunstwerke über die Zeit“ . Die Ausstellung widmet sich in drei Themengruppen dem Phänomen Zeit:

1. Dauer und Moment
Zum Beispiel fotografierte hier der Künstler Dieter Appelt für seine Arbeit „Das Feld (Nr.2)“ 30 Mal das an ihm vorbeiziehende Wasser eines Flusses. Alle 60 Sekunden drückte er dabei auf den Auslöser und es entstand, obwohl der Künstler seinen Kamerastandpunkt nie veränderte, jedes mal ein anderes Bild. Dieter Appelt fing hier nicht nur einfach das Wasser, sondern die Bewegung und damit den Verlauf von Zeit ein. Die nacheinander erstellten Momentaufnahmen hängt der Künstler zu einem Block zusammen. So wird aus dem Fluss ein See und aus der Zeitfolge ein Zeitraum. Demgegenüber steht die 13teilige Arbeit „Phasen“ von Ann Holyoke Lehmann. Auf rechteckigen schwarzen Bildern wird ein Kreis sichtbar, dessen Mittelachse sich von Bild zu Bild um 30 Grad dreht, bis sie wieder ihren Ausgangspunkt erreicht. Durch die Aneinanderreihung von Momenten, entsteht hier ein Gefühl von Dauer.

2. Ewigkeit und Vergänglichkeit
In dieser Themengruppe finden wir zum Beispiel das Werk der Künstlerin Gundula Schulze el Dowy. Sie besuchte regelmäßig eine ältere Dame namens Elsbeth Kördel (im Werk Tamerlan genannt) und ließ sich von ihr ihre Lebensgeschichte erzählen. Immer wieder fertigte die Künstlerin Aufnahmen von ihr an, vor allem dann, wenn sich etwas Neues im Leben der alten Frau ereignete. Auf diese Weise entstand ein eindrückliches Porträt, das aus insgesamt 22 Fotografien, einer Biographie Tamerlans und drei Briefen an die Künstlerin besteht. Das Werk kreist um Altern, Leben und Lieben, um Erinnern, Festhalten, Vergessen und Sterben.

3. Nostalgie und Zukunftseuphorie
Häufig verherrlichen wir unsere Vergangenheit im Rückblick. Ertragenes Leid und staatliche Willkür erscheinen uns in einem milderen Licht, als wir es eigentlich erlebt hatten. In der 3. Themengruppe versucht Raffael Rheinsberg zum Beispiel diesem relativierenden Vergessen mit seiner Installation „Einreise Erinnerung“ entgegen zu wirken. Als nach dem Mauerfall 1989 allerorts die Zeugnisse der deutsch-deutschen Teilung entfernt wurden, bewahrte er die hier versammelten Relikte vom Grenzübergang Bornholmer Straße vor der Entsorgung auf dem „Müllhaufen der Geschichte“. In ihrer strengen Reihung und surrealen Funktionalität erinnern die Gegenstände an die überwundene Teilung Deutschlands.

Vom Architekturmodell bis hin zur zeitgenössischen Fotografie und Videokunst, die Ausstellung umfasst rund 80 Arbeiten aller Genres. Dabei wird die öffentliche und private Erinnerungskultur ebenso thematisiert wie die künstlerischen Tendenzen, in denen der Blick nach vorn oder zurück gerichtet ist.

Eintrittspreise:
Tageskarte: 6 Euro/ ermäßigt 3 Euro
Jeden ersten Montag im Monat: 2 Euro
Kinder und Jugendliche bis 18 Jahre zahlen keinen Eintritt

www.berlinischegalerie.de
Alte Jakobsstraße 124-128
10969 Berlin