Freitag, 28.11.2014

Berühmte Verbindung über die Spree

Die Bezirksschwestern Kreuzberg und Friedrichshain sind durch eine der markantesten Brücken Berlins miteinander verbunden. Die neugotische Oberbaumbrücke ist Denkmal, Symbol und formschönes Bauwerk zugleich. Sie hat eine Gesamtlänge von 150 Metern und eine Gesamtbreite von 27,90 Metern. Ihre imposanten Türme sind 34 Meter hoch.

Angefangen hat alles mit einer einfachen hölzernen Brücke die sich auf der Höhe der früheren Stadtmauer etwas südlich vom Ende der Spreeinsel befand. Die damals mit 150 Metern längste Berliner Brücke war vollständig aus Holz gebaut. In der Mitte zwischen den Pfählen hatte die Brücke einen schmalen Durchlass für die Durchfahrt der Schiffe. Die Brückenpassage war nicht nur für Pferdefuhrwerke mit Kosten verbunden, sondern auch die Schiffe, die flussabwärts über die Spree nach Berlin fuhren, mussten an der Brücke Zoll entrichten. Nachts versperrte man die Durchfahrt mit einem starken Holzstamm, damit niemand heimlich, ohne Zoll zu bezahlen, seine Waren über die Spree nach Berlin schiffen konnte. Somit war die Einfahrt nach Berlin am Oberlauf der Spree geschlossen. Der Sperrbaum oberhalb von Berlin erklärt die simple Namensgebung „Oberbaumbrücke“.

Die Stadt Berlin übernahm am 29. Juni 1875 die Unterhaltung der Straßen, Wasserläufe und Brücken die bis dahin unter der staatlichen Verwaltung Preußens standen. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts wuchs das Verkehrsaufkommen zwischen den Berliner Stadtvierteln rapide. Unweit der Oberbaumbrücke wurde 1871 auf der Stralauer Seite die Ringbahn mit dem Frankfurter Bahnhof (heute S-Bahnhof Warschauer Str.) erschlossen. Auf Kreuzberger Seite beabsichtige Siemens & Halske den Bau der elektrisch betriebenen Hochbahn (Linie 1). Durch die Kanalisierung der Spree wuchs auch der Schiffsverkehr deutlich an. Diese Veränderungen machten den Abriss der alten Holzbrücke überfällig.

Die neue Brücke sollte nicht nur für Pferdefuhrwerke und Fußgänger, sondern zugleich für die Verlängerung der Hochbahn über die Spree hinweg zur Ringbahn nutzbar sein. 1879 begannen die Planungen der neuen Brücke unter der Leitung von Stadtbaurat James Hobrecht. 1894 wurde mit dem Neubau begonnen, während der Verkehr auf einer hölzernen Behelfsbrücke weiterlaufen musste. Am 24. August 1895 wurde bereits die Schlusssteinlegung des neugotischen Bauwerkes gefeiert und ab Dezember 1895 rollte der Verkehr. Am 18. Februar 1902 fuhr erstmals die U-Bahn vom Stralauer Thor bis Potsdamer Platz über die Brücke. Gegen Ende des Zweiten Weltkrieges sprengte die Wehrmacht aufgrund des so genannten "Nerobefehls" von Adolf Hitler das Mittelstück der Oberbaumbrücke. Die Sprengung erfolgte am 23. April 1945, um den Vormarsch der sowjetischen Gruppen zu erschweren. Die später notdürftig reparierte Brücke durfte nach dem Mauerbau am 13. August 1961 nicht mehr passiert werden, bis sie 1963 als Grenzübergang für Fußgänger (Kleiner Grenzverkehr) wieder geöffnet wurde. Nach der Wiedervereinigung wurde die Brücke saniert und ein neues Mittelteil nach Plänen von Santiago Calatrava eingesetzt. Seit 1995 wird die Oberbaumbrücke wieder für den Straßen- und U-Bahnverkehr genutzt.