Freitag, 15.03.2013

Die Metamorphose von der Brauerei zum Wohnquartier

Zug um Zug werden historische Bausubstanz und zeitgenössische Neubauten im Viktoria Quartier fertig gestellt und zum Vorzeigeensemble Berlins vereint. Auch das Tivoli-Gebäude wird in diesem Jahr vollendet. In dem Bau befand sich bis in die 1930er Jahre ein großer Fest- und Bankettsaal. Danach wurde das Gebäude vor allem für die Produktion und als Lager genutzt. Central Park Living, so heißt das Tivoli-Gebäude heute, wird nach seiner Fertigstellung über moderne Suiten, Apartments und Maisonettewohnungen verfügen.

Besonders der Umbau früherer Brauereigebäude zu stilvollen Wohnbauten macht das Viktoria Quartier zu einem reizvollen Ort. Viele der Gebäudedetails blieben erhalten. Die sanierten Backsteinfassaden wirken warm und versprühen den Charme des Industriedenkmals.

Die Brauerei wurde im für das 19. Jahrhundert typischen Burgenstil erbaut. Dieser Stil prägte den Industriebau der damaligen Zeit, er trug dabei unter anderem der Forderung nach unterschiedlichen Raumformen und Gebäudetypen Rechnung. Eine Vielzahl von Türmen und Türmchen krönt noch immer einige Gebäude der früheren Brauerei. Rundbögen schmücken Durchgänge, umschließen Fenster und Türen. Mit dem Burgenstil wollten die Erbauer an mittelalterliche Bollwerke, an Herrschaftswillen und Romantik erinnern. Auch der Einsatz unverputzter Backsteine hatte durchaus seine Symbolkraft. Backstein galt im 19. Jahrhundert wegen seiner Solidität und Haltbarkeit als vaterländisches Baumaterial.

Die teilweise verschachtelte Anordnung der historischen Bauten im Viktoria Quartier demonstriert noch immer die Einsatzvielfalt und die unterschiedlichen Nutzungen in der früheren Brauerei. So gab es diverse Handwerkshäuser wie eine Schmiede, eine Hufbeschlagsschmiede oder die Werkstatt der Stellmacher. Manche Gebäude und Räume wurden im Laufe der Zeit unterschiedlich genutzt, so zum Beispiel der Gotische Saal als Betriebskirche, Lagerraum, Pferdelazarett oder Malerwerkstatt.