Donnerstag, 17.01.2013

Ingenieurbauwerk mit Tonnendach

Über 110 Jahre ist er alt - der Kreuzberger U-Bahnhof Görlitzer Bahnhof. Die Bahnen der Linie U1 halten hier zwischen den Endbahnhöfen Uhlandstraße und Warschauer Straße. Der östliche Abschnitt der U1 ist der älteste Teil der Berliner Hochbahnstrecke - erster Spatenstich war im September 1896 und die Eröffnung eines Teilabschnitts erfolgte Anfang 1902.

Alle Bauarbeiten wurden durch die Firma Siemens & Halske durchgeführt - dazu zählten auch die Bahnhöfe. Die Typenentwürfe waren von den Konstrukteuren Johannes Bousset und Heinrich Schweiger als schlichte Ingenieurbauwerke angelegt und auf dem östlichen Abschnitt der U-Bahnlinie auch in dieser Machart ausgeführt. Der U-Bahnhof besaß ursprünglich zwei Seitenbahnsteige mit 78,1 Metern Länge. 60 Jahre später wurden die Bahnsteige auf 107,6 Meter verlängert.

Die Idee der Hochbahn schauten sich Siemens & Halske in New York ab. Von den Berliner Stadtvätern wurde die Hochbahn einerseits aus ästhetischen Gründen abgelehnt, andererseits zur Bewahrung vor möglichen Schäden an der gerade erst errichteten Kanalisation in Erwägung gezogen. Schließlich wurde der östliche Teil durch von Arbeitern bewohnte Viertel als Hochbahn, der westliche Teil der Strecke durch wohlhabende Viertel als so genannte Unterpflasterbahn ausgeführt.

Der U-Bahnhof Görlitzer Bahnhof ist wie weitere seiner "Hochbahnhof-Geschwister" ein Ort der Architektur- und Stadtgeschichte. Es lohnt der Blick auf die Details seiner qualitätsvollen Alltagsarchitektur. Neben diesen gestalterischen Aspekten steht der U-Bahnhof für ein Zeitalter der Entwicklung Berlins in die Liga der Weltmetropolen mit stark wachsendem Verkehrsaufkommen und rasantem Bevölkerungswachstum.