Mittwoch, 29.04.2009

Burg mit Pförtnerhaus

Viele Details sind erhalten geblieben von der ehemaligen Schultheiss-Brauerei im Herzen des heutigen Viktoria Quartiers. Das liebevoll restaurierte Pförtnerhaus ist ein gutes Beispiel dafür. Es fügt sich harmonisch in das architektonische Ambiente des Gesamtensembles ein und repräsentiert die Backsteingotik auf nachvollziehbare und sympathische Weise.

Die Brauerei wurde im für das 19. Jahrhundert typischen Burgenstil erbaut. Dieser Stil prägte den Industriebau der damaligen Zeit, er trug dabei unter anderem der Forderung nach unterschiedlichen Raumformen und Gebäudetypen Rechnung. Eine Vielzahl von Türmen und Türmchen krönt noch immer einige Gebäude der früheren Brauerei. Rundbögen schmücken Durchgänge, umschließen Fenster und Türen. Im imposanten Burgenstil wurden in ganz Deutschland Industriebauten entworfen, sie sind zum Teil noch heute als Brauereien, Bahnhöfe, Hotels, Museen und Kasernen zu bewundern. Mit dem Stil wollten die Erbauer an mittelalterliche Bollwerke, an Herrschaftswillen und Romantik erinnern. Auch der Einsatz unverputzter Backsteine hatte durchaus seine Symbolkraft. Backstein galt im 19. Jahrhundert wegen seiner Solidität und Haltbarkeit als vaterländisches Baumaterial.

Die teilweise verschachtelte Anordnung der historischen Bauten im Viktoria Quartier demonstriert noch immer die Einsatzvielfalt und die unterschiedlichen Nutzungen in der früheren Brauerei. So gab es diverse Handwerkshäuser wie eine Schmiede, eine Hufbeschlagsschmiede oder die Werkstatt der Stellmacher. Manche Gebäude und Räume wurden im Laufe der Zeit unterschiedlich genutzt, so zum Beispiel der Gotische Saal als Betriebskirche, Lagerraum, Pferdelazarett oder Malerwerkstatt. Viele weitere Gebäude erinnern nach wie vor an die harte Arbeit und das geschäftige Treiben in der Schultheiss-Brauerei. Dazu zählen riesige unterirdische Gewölbekeller, das Brunnenhaus, das Maschinenhaus, das Magazinhaus und das Kesselhaus.